Landraub in Brasilien: gefördert durch Großkonzerne der EU!

Der Landraub in Brasilien nimmt immer mehr zu, begünstigt durch Gesetze der Bolsonaro-Regierung, aber auch durch internationale Monopolkonzerne aus der EU. Der Landraub geht einher mit der Vertreibung von Zehntausenden Kleinbauern und deren Familien. Gleichzeitig wird der Amazonas-Regenwald unwiederbringlich zerstört, um den Anbau von Monokulturen zu ermöglichen, während fünf Millionen landlose Bauernfamilien an Armut und Hunger leiden.

Verglichen mit dem Vorjahresmonat nahmen die Rodungen in Brasiliens Amazonasgebiet im Jänner 2020 um 108% zu, wie das Nationale Institut für Weltraumforschung (INPE) mitteilte. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro bezeichnet diese Zahlen zwar als Lüge, jedoch konnten sie anhand von Satellitenbildern nachgewiesen werden. Offensichtlich soll verdeckt werden, welche Ausmaße die illegalen Rodungen der Agrarindustrie angenommen haben. Die Entwicklungen werden durch ein neues Gesetz begünstigt, dass den Anspruch auf Landbesitz ausweitet. Branda Brito vom Amazon Institute of People and the Environment meint zu diesem neuen Gesetz: „Es erlaubt einem, öffentliches Land zu besetzen, indem man vorgibt, es [für legale Arbeit] zu nutzen und dann beansprucht man den Landtitel.“ Im Dezember 2019 hat Bolsonaro die Vorschriften gelockert und seit dem darf man drei Mal so viel Land beanspruchen wie zuvor. Zudem wurde die Dauer nachdem man für das Besetzen eines Grundstücks einen Eigentumstitel bekommt um sechs Jahre verkürzt. Diese Gesetzgebung befördert die Monopolisierung des Bodenbesitzes, da einzelne viel mehr Land kaufen können und schneller Eigentümer des Landes werden. Somit wird die Abholzung des Regenwaldes offiziell gefördert. Auf illegale Abholzungen oder Waldbrände reagiert die brasilianische Polizei nicht. Im Gegenteil, Kritiker und Gegner werden versucht einzuschüchtern.

Die „zufällig“ abgebrannten oder illegal abgeholzten Flächen werden für die Agrarindustrie genutzt, denn die Nachfrage, vor allem aus Europa, steigt ständig. Wegen der steigenden Weltbevölkerung, der Nahrungsmittel- und Wasserknappheit sind diese Grundstücke eine „gewinnbringende Investition“ für Investoren aus dem Ausland. Beispielsweise tätigten europäische Pensionsfonds aus Schweden, Dänemark, Niederlande oder Deutschland große Investitionen in Ackerland.

Vor allem die Sojaproduktion wird durch europäische Großkonzerne subventioniert. Großgrundbesitzer und Agrarindustrie erhalten große Investitionen aus dem Ausland, um einzelne Monokulturen wie Soja auf großen Flächen anzubauen. Brasilien ist der größte Soja-Exporteur der Welt und liefert den Großteil der Exporte nach Europa und China. Der größte Sojaanbauer Brasiliens ist Blairo Maggi, Eigentümer des Agrarkonzerns Amaggi. Er war ebenfalls der vorherige Landwirtschaftsminister und ist als „Sojakönig“ bekannt, der massiv von der Vertreibung der armen Bauern profitiert. Es ist bezeichnend für die Verbindung von Agrarindustrie, Großgrundbesitz und Politik, wenn der größte Sojaproduzent des Landes selbst Landwirtschaftsminister ist. Nicht nur das, der „Sojakönig“ und Landwirtschaftsminister wurde auch 2018 zur „Internationalen Grünen Woche“ nach Berlin eingeladen. Das zeigt auch, dass Großgrundbesitz und Landraub durch die imperialistischen Länder der EU gestützt wird. Eine größere Nachfrage aus der EU von Produkten wie Soja führt dazu, dass mehr Land von den kleinen Bauern weggenommen wird.

Nicht nur in Brasilien, sondern auch in Afrika ist die EU ein wichtiger Faktor was den Landraub betrifft. 44% der privaten Finanzakteure, die in Ackerland und landwirtschaftliche Infrastruktur investieren, kommen aus Europa. Oft wird auf steigende Bodenpreise spekuliert und das Land gekauft, nur um es später wieder gewinnbringend zu verkaufen. Beispielsweise besitzt der italienische Staat 30% des Energiekonzerns ENI und dieser investierte mehrere Milliarden US-Dollar im Kongo um 70.000 Hektar „unbewirtschaftetes“ Land für die Produktion von Agrartreibstoff zu erschließen.

Die offiziellen Zahlen zum Landraub durch internationale Konzerne sind viel zu niedrig, weil nur sehr große internationale Deals von mehr als 1000 Hektar (die durchschnittliche Hofgröße in Deutschland beträgt beispielsweise 45 Hektar) von der UN Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) als „Landgrabbing“ bezeichnet werden. Wenn beispielsweise Kleinbauern vertrieben werden, zählt das offiziell nicht als „Landraub“. Diese Statistiken spiegeln also nicht die realen Verhältnisse wider, da die Mehrheit der direkt betroffenen Kleinbauern sind, die ihr Land verlieren.

Alleine am Beispiel des Zuckerrohranbaus wurden in den letzten 15 Jahren 35.000 Familien von ihrem Land vertrieben, wodurch 150.000 ihre Existenzgrundlage verloren. Die Vertreibung wird durch Gewalt, Einschüchterung, Todesdrohungen und Morde befeuert. Dazu werden hauptsächlich illegale Paramilitärs angeheuert, welche die Vertreibungen umsetzen. Die Bauern können sich von den brasilianischen Behörden keine Hilfe erwarten, da diese wie oben gezeigt mit den Großgrundbesitzern vernetzt und verbunden sind und die Gesetze auch für sie gemacht werden. Deshalb ist es richtig und gerechtfertigt, dass sich die armen und landlosen Bauern in Brasilien selber zusammenschließen und wehren, das Land besetzen und es sich Land zurückholen.

Solidarität mit der LCP!

Quellen:

– FIAN Fact Sheet 2012/11, Der globale Landraub. Die Rolle der Europäischen Union

– Land Grabbing in Lateinamerika: Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.

– Landgrabbing durch EU-Konzerne; solidarwerkstatt.at

– Landraub im brasilianischen Regenwald: Leben im Schatten von Gewalt; dw.com

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